„Die DDR-Oberen auf die Schippe zu nehmen, war tabu“, erzählt er. Doch an Stoff mangelte es nicht. Schließlich standen die Betrachter seiner Zeichnungen selbst in den endlosen Warteschlangen,
kämpftenum Bückware oder einen Ferienplatz an der Ostsee ... Zehn Jahre verdiente Rabe als Werbeexperte in der Bad Liebensteiner Stadthalle seine Brötchen, zeichnete nebenbei aus Spaß an der Freude.
Dann kam
die Wende. Damit wendete sich auch vieles für den Karikaturisten. Ein Wunsch ging für ihn 1991 in Erfüllung. Er machte sein Hobby zum Beruf. Plötzlich tat sich ein riesiger Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt auf. Der
Humor bekam Farbe. Das schwarze Gefieder des Raben wurde bunt. Böhme brachte nun farbige Cartoons zur Post und verschickte sie an Abnehmer in ganz Deutschland. Mit dem größeren Markt wuchs die Konkurrenz. „Es ist
ein verdammt hartes Brot. Flexibel, schnell und vielseitig musst du sein, um dich zu behaupten“, sagt Rabe.
Mittlerweile hat er Bücher für viele Verlage illustriert – Bastei, Heyne oder Tomus. Seine Zeichnungen sind witziges Beiwerk für das „Fröhliche Wörterbuch“, die „Sachsensprüche“,
„Da lacht der Ossi“ oder das „Thüringer Bäderbuch“, um einige zu nennen.
Heute landet der Bad Liebensteiner in Ost und West auf den Seiten namhafter Zeitungen, kritisiert die große und kleine Politik, provoziert,wo er es für nötig hält. Seine Zeichnungen lassen die Leser
lachen, schmunzeln oder einfach nur nachsinnen. Den hiesigen Zeitungen Freies Wort und Südthüringer Zeitung – ist er treu geblieben.
Und wie reagieren die auf die Schippe Genommenen? „Ich hatte schon böse Anrufer an der Strippe. Die sind aber die Ausnahme. Die meisten sagen sich: Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, antwortet
Böhme. Er selbst hat sich Grenzen gesetzt. Diese sind für ihn erreicht, wenn es um Pornos oder rechtsradikales Gedankengut geht.
Inzwischen hat Rabe Deutschlands Grenzen überflogen und sich in den internationalen Karikaturisten-Luftraum gewagt. Er nahm an Cartoonfestivals in China, Israel, in europäischen Ländern, im Iran und
in Japan teil. Aus dem italienischen Ancona und aus dem belgischen Knokke Heist brachte er Preise mit nach Hause. „Nun weiß ich wenigstens, wie Rabe auf japanisch geschrieben wird“, sagt er bescheiden und
zeigt auf ein Buch, in dem seine in Japan gezeigten Zeichnungen abgebildet sind.
Doch auf eine Begegnung ist der fanatische Beatles-Fan Böhme besonders stolz. Während der Deutschland-Tournee schenkte er Paul McCartney eine seiner Karikaturen. Der berühmte Beatle bedankte sich
sogar dafür. „Das war einmalig“, schwärmt Rabe. Trotz internationaler Ausflüge bleibt Böhme dort verwurzelt, wo er zu Hause ist. Konterfeis aus Rabes Feder sind das besondere Geburtstagsgeschenk, seine Figuren
begegnen Narren in Karnevals-Zeitungen und Gaststätten-Besuchern auf Speisekarten.
Hat Rabe keine Angst, dass ihm eines Tages die Ideen ausgehen? „Mit dieser Sorge lebt jeder Karikaturist. Bisher mangelt es nicht an Anregungen“, sagt er und zeigt auf einen Block mit einer
Ideen-Liste.
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